Gedanken und Berichte

Die Wende

Dass ich nicht nur so vor mich hinleben konnte – sprich: arbeiten, schlafen, keine Interessen, nur bedingt für mich sorgen, keine Kontakte… – wurde für mich immer unerträglicher. Ich wollte etwas ändern, aber ohne Antrieb und Emotionen brauchte ich lange, um einen Weg zu finden. Ich versuchte über das Internet Leute kennenzulernen, vor allem Männer, da ich mir vorstellte, sollte sich eine Freundschaft entwickeln, wäre ich zumindest motiviert etwas lebendiger zu sein und vor allem raus zu kommen aus meiner Wohnung. Viele mögen das für eine bescheuerte Idee halten, aber für mich hat es geklappt. Ich hatte mehrere Dates – zumindest kam ich wieder mal ins Kino oder Kaffeehaus. Mit ein – zwei hatte ich intensiveren Emailkontakt und mit einem ergab sich doch tatsächlich eine Beziehung. Ich hatte keine großartigen Erwartungen an den Mann, aber ich genoss es in seiner Nähe zu sein, wir unternahmen einiges, kochten gemeinsam, ich verließ regelmäßig meine Wohnung, redeten viel, und vor allem akzeptierte er mich mit meiner Erkrankung. Aus bestimmten Gründen war eine Beziehung mit Perspektive ausgeschlossen für mich – wir passten nicht wirklich zusammen und hatten unterschiedliche Zukunftsvorstellungen.

Ja und danach lernte ich meinen Mann im Internet kennen. Ich hatte bewusst nach einem Landwirt gesucht – und ihn auch gefunden. Ich wollte raus aus der Stadt, zurück aufs Land. Instinktiv wollte ich der Großstadt mit ihrer Anonymität, ihrem Lärm, ihrer Kurzlebigkeit entfliehen. Ich wollte Ruhe, weniger Leute, weniger Lärm, eine neue Umgebung um mein Leben neu zu starten.

Für mich hat es geklappt! Ich führe jetzt ein ruhiges, kleines, aber erfülltes Leben mit meinem Mann und meinen Kindern. Das beste, was mir passieren konnte! Für mich und meine Krankheit. Hätte ich nicht selber Initiative ergriffen und mich weiter so leben lassen; ich bin überzeugt es wäre sehr schief gelaufen und vielleicht gäbe es mich so nicht. Ich mag mir das gar nicht genau ausmalen, wie ich jetzt leben würde, oder auch nicht mehr. Im entscheidenden Moment hab ich die Kurve gekriegt. Das ist zumindest das, was ich denke.

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