Gedanken und Berichte

… von Ergo- bis Gesprächstherapie

Ich habe heute wieder an einer Online-Umfrage teilgenommen (Umgang mit Stress bei psychischen Erkrankungen). Ich finde es wichtig, an sowas teilzunehmen – vielleicht bringt es irgendwann mal was; die Hoffnung stirbt zuletzt.
Dabei ging es hauptsächlich um Ergo- und Beschäftigungstherapie. Die Wichtigkeit der selben soll bestätigt werden, usw….

Meine Meinung ist – es kommt auf die Durchführung und das konkrete Angebot an. Bei meinem ersten Aufenthalt ging ich nur zum Sport – in der Kunsttherapie war kein Platz frei, Psychotherapie Gruppensitzung nahm ich zweimal teil. Bei zweieinhalb Wochen nicht unbedingt ein großes Maß an Möglichkeiten. Aber ich machte mit einer Mitpatientin meine eigene Ergotherapie; wir fertigten Perlenschmuck.

Beim zweiten Aufenthalt sollte ich schon nach zwei Tagen auf der offenen Station sagen, was ich alles tun will – Ergotherapie sei Pflicht – ebenso Sport und Bewegung. Kunst-, Musik-, Arbeitstherapie waren sozusagen wählbar (theoretisch, da Teilnehmerbegrenzung). Außer Psychoedukation gab es keine Psychotherapie.
Wie gesagt war die Ergotherapie Pflicht. Gut, sie hat geholfen den Tag zu strukturieren, die Zeit war ausgefüllt und ich von meinen Wahngedanken abgelenkt. Aber das inhaltliche Programm war so nervend für mich, dass ich nach einigen Reibereien mit der Therapeutin mich aufs Häkeln verlegt habe und beide waren wir zufrieden damit. Aber Töpfern, Filzen, Speckstein u. ä. konnte ich schon vorher nie leiden. Warum sollte mir also etwas helfen, was ich gar nicht machen mag. Das habe ich in dem damaligen psychischen Zustand nicht eingesehen und sehe das nach wie vor so. Ich denke, da könnten die Kliniken doch noch einiges dazulernen.
Die Psychoeduktion war hingegen super – sie hat mir das Gefühl vermittelt, auch selber einen Beitrag leisten zu können, die Erkrankung erträglicher zu machen!!

Was ich auch völlig schlimm finde – es gibt kein Angebot zur Gesprächstherapie im Sinne von Verarbeitung der Psychoseinhaltes. Ich finde, es sollte bereits in der Klinik angeleiert und dann ambulant weitergeführt werden. So, wartet man ewig auf einen Therapieplatz und muss vieles mit sich allein ausmachen und verarbeiten. Und das schafft glaube ich nicht jeder. Dem Psychoseinhalt (Wahn wie Halluzinationen), liegen doch Erinnerungen, Erlebtes, Gefühle, Traumata, Ängste… zugrunde. Ist zumindest bei mir so und auch bei anderen die ich kennengelernt habe. Dies zu verarbeiten müsste doch Ziel sein um Prophylaxe zu betreiben. Nicht nur Phasenprophylaxe mit Psychopharmaka!
Ich habe versucht, meine Inhalte soweit wie möglich selber zu be- und verarbeiten; die subjektiven Ursachen bestimmter Wahngedanken zu objektivieren und damit Distanz zu schaffen und nicht mehr zu denken: Gott, wie schrecklich und schlimm im Wahn so zu denken, das ist ja abnormal. Im Wahn fühle ich mich immer als Opfer eines bestimmten Verbrechens – obwohl ich nie eines durchleben musste. Durch das distanzierte Betrachten, wurde mir dies erst klar. Lange Zeit zuvor war ich mir da nicht so sicher. Zum anderen kann ich nüchtern feststellen, warum und woher die Wahngedanken kommen. Warum sie genau so sind wie sie sind. Und weil ich dies für mich erarbeitet habe, habe ich auch viel weniger Angst vor einem neuerlichen richtig psychotischem Schub. Ich glaube zumindest, dass ich durch den Abbau der inneren Spannung die bei mir entstanden war durch die ersten beiden starken Schübe den nächsten gelassener überstehen kann. Unter starken Schub verstehe ich, dass er mich in die Klinik bringt. Schwächere Episoden kann ich mittlerweile ganz gut managen.

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