Gedanken und Berichte

Medikamente – Fluch oder Segen

Immer wieder lese ich in Foren die Diskussionen über Medikamentengegner und -Befürwortern. Ich gehöre zu letzteren. Ich muss ganz klar sagen: ich bin froh, dass es diese Medikamente heutzutage gibt. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es wäre ich würde mit meiner Erkrankung vor 50 oder 70 Jahren gelebt haben. Das KZ lässt grüßen oder Zwangssterilisation, eingesperrt sein, niedergeprügelt durch Elektroschocks ohne Narkose…
Ich bin froh heute zu leben, wenn ich schon diese Erkrankung haben muss.

Nichts desto trotz haben die Medikamente ihre Schattenseiten und Nebenwirkungen, die auch ich zu spüren bekommen habe. Nicht jedes hat sich gleich ausgewirkt, aber besonders anfangs spüre ich fast alle Nebenwirkungen die so aufgezählt werden.
Abgesehen davon, dass ich mit meiner Thrombophilie (erhöhtes Risiko ein Blutgerinnsel zu bilden) gar kein Antipsychotikum nehmen sollte – naja, alles eine Nutzen-Risiko-Frage!
Zuerst nahm ich Risperdal: ich entwickelte massive Sehstörungen, Sitzunruhe und eine extrapyramidales Syndrom – will heißen ich entwickelte Parkinsonähnliche Symptome. Ich stakste wie ein Storch durch die Gegend, meine Arme hingen schlaff an mir herunter, die Schulter hochgezogen – irgendwie wie ein Zombie! Es half gut gegen die Psychose!
Dann Wechsel auf Abilify: ich konnte kaum noch schlafen – höchstens 4 Stunden, hatte extrem intensive, phantastische Träume und Sitzunruhe.
Dazu kam Quetiapin: ich konnte tagsüber jederzeit einschlafen, war aber nicht ausgeruht.
Nach Absetzen der Medikamente bildeten sich alle Nebenwirkungen zurück, ich schlief normal, mein Tagesablauf war nicht beeinträchtigt.

Nach einer Pause nahm ich dann Olanzapin: extreme Tagesmüdigkeit – ich konnte im Sitzen einschlafen, Gewichtszunahme und starker Heißhunger. Hilft supergut gegen psychotische Symptome!
Zusätzlich gab es dann Citalopram: in der Kombination kam starke Verstopfung hinzu. Es hilft mir gut gegen die Depression, würde aber allein nicht ausreichen!

Jetzt nehme ich Abilify, Quetiapin und Citalopram: ich habe weiter zugenommen – seit der Geburt meines ersten Kindes sind es 20 Kilo! Ich habe ein erhöhtes Schlafbedürfnis und kann mich nicht recht lange konzentrieren, Sitzunruhe, intensive und anstrengende Träume, mit dem Gewicht ist mein Blutdruck manchmal erhöht, ich muss auf meine Leberwerte aufpassen und die Blutfette sind erhöht. Zeitweise kommen noch geschwollene Füße und Hände hinzu.

Das sind die Nebenwirkungen die geblieben sind. Anfänglich kamen noch über Monate Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Restless Legs, starkes Herzklopfen, noch stärkere Sitzunruhe, Schlafstörungen… dazu. Teilweise war ich so benommen, dass ich nicht einmal mit heißem Wasser hantieren konnte, und Erinnerungslücken und starke Wortfindungsstörungen hatte.

Fazit:Ich nehme die Medikamente und bin froh, dass es sie gibt, weil mein Leidensdruck ohne sie wesentlich höher wäre! Außerdem habe ich eine Verantwortung besonders meinen kleinen Kindern gegenüber – Phasenprophylaxe steht für mich hiermit außer Frage!!!
Ich bin mit den Medikamenten nicht völlig symptomfrei, aber ich kann gut mit den verbliebenen Symptomen und leichten Ausschlägen nach oben und unten leben. Die Depressionen habe ich dabei am besten im Griff, die Manie kommt eher selten, dafür aber eindrucksvoll und die psychotischen Schübe kommen in diversen Ausprägungen immer wieder. In stressigen Zeiten entwickeln sich gerne Halluzinationen und im späteren Verlauf depressive Züge. Flaut der Stress ab, flauen die Symptome ab.

Ich möchte niemandem einreden was er hinsichtlich der Medikamente tun soll. Jeder Mensch ist anders, jede Erkrankung ist individuell, jeder macht andere Erfahrungen! Da muss jeder seinen Weg finden!

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