Gedanken und Berichte

Selbstmordgedanken

Natürlich hatte ich auch schon welche. Da gibt es nichts zu beschönigen und zu verleugnen. Wer das tut, sieht weg und flüchtet vor der Realität!

Das erste Mal hatte ich Suizidgedanken, da war ich glaube ich vierzehn oder fünfzehn. Ich verbrachte mein neuntes Schuljahr im Internat und war somit jeweils zwei Wochen weg von zu Hause. Zu Hause wo es Streit, Gewaltandrohungen, Gewalt, Betrug und Alkohol gab und meine drei Geschwister, die ich nach meinem Gefühl nach mit dieser Situation allein gelassen hatte. Und meine Mutter, die sich entschieden hatte, das Verhalten meines Vaters ihr gegenüber auszuhalten. Näheres möchte ich hier nicht beschreiben. Nur, dass ich jeden Tag Ängste hatte, das zu Hause Schlimmes passieren würde – und ich war nicht da, um etwas verhindern zu können. Ich zog mich immer mehr zurück, weinte sehr viel – heimlich und wurde immer mehr zum Einzelgänger. Auf alle Fälle wurde die Situation für mich immer unerträglicher und im Nachhinein würde ich es so sehen, dass ich meine erste Depression hatte. Bis sich zunehmend auch Selbstmordgedanken einschlichen. Ich überlegte mir, vom dritten oder vierten Stock des Internats aus dem Fenster zu springen. Ich saß auch schon am Fensterbrett, konnte mich schlussendlich aber nicht dazu überwinden. Was wäre, wenn ich verletzt überleben würde – was käme dann an Vorwürfen und Druck auf mich zu. Welche Schande würde ich über die Familie bringen. Dann ließ ich meine Geschwister ja wirklich im Stich – und: das kann ich meiner Mutter nicht auch noch antun.
Mit meinen Ängsten blieb ich allein und konnte mich niemanden anvertrauen, irgendwann gingen die Selbstmordgedanken wieder…

Das zweite Mal war nach meinem ersten psychotischen Schub, in der postpsychotischen Depression und mit den Negativsymptomen und Nebenwirkungen.
Ich wollte mich vor einen Zug werfen. Jedes mal wenn ich Zug fuhr, stellte ich mich an den Anfang des Bahnsteiges, dort wo der Zug noch am schnellsten war, und musste mich innerlich bewusst zurückstellen um nicht zu schwanken und auf die Gleise zu fallen. Ich weiß nicht wie effektiv, mein Vorgehen gewesen wäre, aber soweit dachte ich nicht. Ich wollte sterben, und mir viel kein besserer Weg dazu ein. Mir schien mein Leben mit der Diagnosen und meinem damaligen Befinden nicht mehr lebenswert. Weinen konnte ich nicht, und auch so waren mir meine Gefühle abhanden gekommen.
Mit der Umstellung der Medikamente und dem Rückgang der Nebenwirkungen, gingen auch die Selbstmordgedanken. Erwähnt habe ich sie nicht, aus Angst wieder in die Psychiatrie zu müssen.

Ein weiteres Mal hatte ich „Beinaheselbstmordgedanken“. Das war in meiner zweiten Schwangerschaft, ich war depressiv und dachte: hätte ich mich damals (nach der ersten Psychose) nur umgebracht, mir wäre vieles erspart geblieben. Darüber habe ich mit meinem Mann, nicht aber mit meinem Psychiater gesprochen. Aus anderen Gründen wurde meine Medikament leicht erhöht, und mir ging es besser.

Das hat mir gezeigt, nichts kann mich vor solchen Gedanken bewahren, nicht mein Mann, nicht meine Kinder. Ich muss damit rechnen, dass Suizidgedanken immer wieder einmal auftauchen können. Es hat mich im Nachhinein erschreckt, das dies so ist und ich habe mir fest vorgenommen, mich das nächste Mal meinem Psychiater gegenüber sofort zu offenbaren, denn ich will leben!!! Mein Mann weiß was er zu tun hat, wenn ich die Gedanken ihm gegenüber erwähnen sollte, oder wenn er merkt, dass ich zunehmend depressiv werde. Besser kann ich mich nicht auf die Situation vorbereiten…

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