Gedanken und Berichte

Vor der ersten Psychose

Wie fange ich da am besten an… den Anfang der Psychose und somit meiner Krankheitsgeschichte kann ich nicht genau ausmachen. Ich hatte keine Ahnung, dass meine Stimmungen nicht mehr gesund waren…

Ich weiß noch nach einer langen depressiven Phase (nach dem Aus einer zwölfjährigen Beziehung) kam eine manische, in die sich schon vereinzelt Halluzinationen eingeschlichen hatten. Halluzinationen wie Doppelgänger mir bekannter Personen, scheinbar für mich bestimmte Gespräche von Passanten denen ich Bedeutung zuordnete, taktile Halluzinationen wie Kribbeln an einzelnen Körperpartien,…

Die manische Phase begann ca. ein dreiviertel Jahr vor dem Crash – ich war in eine Internetbekanntschaft verliebt und voll euphorisch drauf. Ich war kreativ im Schreiben, definierte mich über Liedtexte und setzte sie als Botschaften ein… ich versuchte zwischen den Zeilen zu lesen, und mich in die Person hinein zu fühlen, fühlte mich seelenverwandt; das ging Monate lang gut.

Ich ging endlich nach Jahren wieder mal zum Zahnarzt und lies alle Zähne sanieren. Dabei kam Hypnose zum Einsatz, um meine Zahnarztphobie in den Griff zu bekommen. Im Nachhinein vielleicht keine so gute Idee.

Dann begann ich meinen gesamten Haushalt zu entrümpeln. Zuerst war es ja auch richtig nötig, im Keller waren noch jede Menge Sachen von meinem Ex – die mussten einfach weg. Als ich damit fertig war ging es in der Wohnung weiter. Ich bewertet jede Sache danach: hatte ich ein gutes Gefühl mit dem Ding, oder waren da schlechte Schwingungen, wenn ja, musste es weg. Ich machte vor nichts halt (Geschenke, CDs, Bücher, Fotos, Dokumente, Hausrat), immer mehr trug ich in großen Müllsäcken aus meiner Wohnung und entsorgte sie in einem Container. Irgendwann begann ich dann zu würgen, wenn ich was in den Container schmiss und diese Anfälle wurden immer schlimmer. Für mich war es so, als würde ich alles Schlechte aus mir rauswürgen und -spucken. Am Ende er Aktion lebte ich in meiner Wohnung wie am Campingplatz. Bis auf die Küchenmöbel hatte ich alles weitgehend reduziert. Vom Hausrat war nur noch das nötigste da. Ich fühlte mich danach frei und an nichts gebunden.

Nach einiger Zeit fühlte ich mich aber nur noch leer. Immer mehr depressive Tage schlichen sich in die Manie. Ein normales Mittelmaß was meine Stimmung anging, kannte ich nicht mehr. Die Bekanntschaft stellte sich immer mehr als Luftschloss heraus – ich denke, das war dann der Auslöser für die depressiven Tage. Die Stimmungen wechselnden mit der Zeit immer schneller. Meiner Mutter und eine Telefonfreundin fielen wohl auf, dass ich mich verändert hatte, aber ich sprach vehement dagegen und versicherte ihnen, es ginge mir so gut wie noch nie. Die Depressionen verschwieg ich – ich erkannte die Hochs und Tiefs ja auch nicht als abnormal. Ich genoss die Hochs einfach zu sehr.

Schließlich hatte ich eine Woche Urlaub vor meinem Geburtstag, und da begann ich richtig psychotisch zu werden. Das fiel eigentlich keinem auf, weil ich meinen Urlaub mehr für mich allein verbrachte. In dieser Zeit schaute ich mich auch nach einem neuen Job um und kündigte kurzerhand, nachdem ich ein Vorstellungsgespräch in einem anderen Betrieb terminiert hatte. Auch bei einem Treffen mit einer Freundin zu meinem bevorstehenden 33sten (war eine magische Zahl für mich, schließlich starb Jesus mit 33, also musste bei mir was neues, einschneidendes passieren), fiel mein verändertes Verhalten bei ihr nicht großartig auf. So war ich für mich allein und die Dinge nahmen ihren Lauf…

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